2021
«Schwätzisch du nur oder läbsch du`s scho?»
Nach 50 Jahren Frauenstimmrecht, wie ist die Bilanz der realen Gleichberechtigung im Alltag? Mit Gender-Diskriminierungen ist jede/r konfrontiert, durch sozialisierte Rollenbilder und Stereotypen – einem «Schema F*». Oftmals werden subtile Diskriminierungen als salonfähige Scherze und Gewohnheiten abgetan. Als Gestalterinnen wollen wir diese Problematik offenlegen und dieser mit Coolheit, Selbstverständlichkeit und Alltäglichkeit gegenübertreten, um sie lustvoll und spielerisch publik zu machen. Wir erkennen die Gendergleichstellung als eine Problematik der Mehrheit an, es betrifft nicht nur den Teil der weiblichen Bevölkerung, sondern alle Geschlechter. Wir weichen das «Schema F*» der Genderungleichheit auf. Die hohe Akzeptanz von alltäglichen Diskriminierungen und salonfähigen Scherzen gegenüber Frauen dulden wir nicht mehr. Wir schärfen den Umgang und das Bewusstsein nachhaltig, in dem wir auf stereotype Rollenvorstellungen und die daraus resultierenden Diskriminierungen sensibilisieren. «Schema F*» handelt zudem nicht nur hypothetisch, sondern soll real mit verschiedenen Methoden, Interventionen und Produkten in der breiten Öffentlichkeit sichtbar sowie begehrenswert werden. (Eingabe für die Paul-Schiller Stiftung sowie die Stiftung Mercator Schweiz.)
50 Jahre Frauenstimmrecht, 40 Jahre Gleichstellungsparagraf in der Bundesverfassung:
«Mann und Frau sind gleichberechtigt. Das Gesetz sorgt für ihre rechtliche und tatsächliche Gleichstellung, vor allem in Familie, Ausbildung und Arbeit. Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.» In zahlreichen Lebensbereichen ist die Gleichberechtigung zwar vordergründig vorhanden, hintergründig nimmt sie jedoch benachteiligende Formen an. Ziel ist es, dass der Austausch über Rollenbilder, deren Konnotationen und resultierende Auswirkungen selbstverständlich werden. Wir wollen die subtilen Alltagsdiskriminierungen sammeln, auswerten, publik machen. Sammeln (1) Wie ist die Bilanz der tatsächlichen Gleichberechtigung im Alltag? Digitale und analoge Briefkästen sammeln Begebenheiten von subtiler Alltagsdiskriminierung in Form von Erzählungen und/oder visuellen Eindrücken. Diese stehen als visuelle Interventionen an zentralen Institutionen und erzeugen Aufmerksamkeit durch ihr Erscheinungsbild: Produktinterventionen animieren, sich mit individuellen Geschichten zu beteiligen und so zu einem Dialog der Gleichstellung beizutragen. Auswerten (2) Wo liegen die grössten Diskrepanzen zwischen der formalen und realen Gleichberechtigung? Kulturpublizistinnen und Forscherinnen stellen die gesammelten Alltagsdiskriminierungen in einen zeitgenössischen Kontext. Die Essenz der ausgewerteten Diskrepanzen wird in Form einer Publikation zusammengefasst, um den Dialog zwischen den Kontroversen weiter voranzutreiben. Publik machen (3) Wie stellen wir uns eine Gleichberechtigte Zukunft vor? Die Gestaltung dient als Mittel zur Kommunikation. Unsere Strategie ist das Hacking (4), mit dem wir gezielt Inhalte in einen Personenkreis implementieren. Wir hacken anhand unserer Erkenntnisse Jasskarten, Magazine und Alltagsprodukte. Voraussetzung für «Schema F*» ist die interdisziplinäre Anlage (5) des Projekts. Unser diverses Netzwerk ist die Grundlage für die Ausgestaltungs- und Ausbreitungsstrategie.
«(...) I say the revolution will have to start in our homes, by achieving equal rights for women.» (Qiu Jin)
Nach wie vor besteht ein grosser Handlungsbedarf, stereotype Rollenvorstellungen weichen sich nur langsam auf. Im persönlichen und beruflichen Alltag ist immer noch ein Ungleichgewicht zu verzeichnen, das sich sowohl vordergründig prozentual messen lässt, hintergründig jedoch viel subtilere Formen annimmt. Sozialisierte Gendermodelle sind durch Kommunikation, Austausch und Sensibilisierung aufzuweichen. Der Dialog über Gender-Ungleichheit sowie die daraus resultierenden Auswirkungen im gesellschaftlichen Kontext müssen selbstverständlich und alltäglich werden. Themen wie Feminismus, Diskriminierung und Gleichstellung sollen leicht und lustvoll zugänglich gemacht werden. Das Jubiläum des 50. Jahrestages zum Frauenstimmrecht ist der Initialzünder Barrieren abzubauen. Diskriminierung ist keine Nischendiskussion und «keine Diskriminierung» darf nicht zu einer Besonderheit werden. Diskurse über Rollenbilder, Feminismus und Gleichstellung sollen zur zeitgenössischen Normalität dazu gehören.
«Ich kämpfe gegen die Voreingenommenheit des Spießbürgers, der in mir ein Phänomen, eine Abnormität sucht.» (Lili Elvenes)
Wir verhandeln die Thematik inklusiv nicht exklusiv. Wir führen Dialoge und keine Monologe. Der Gegensatz zwischen gesetzlich festgelegter und gelebter Gleichberechtigung sowie die blinden Flecken decken wir auf. Damit wird diese Problematik omnipräsent in unser aller Alltag. Die rhizomartige Ausbreitung und Viralität des Projekts durch verschiedene gestalterische Mittel führen einerseits zu Inklusion, andererseits setzen wir dem Thema eine Leichtigkeit, Natürlichkeit, und Nonchalance entgegen.
Credits | KULTURPUBLIZISTIN Katrin Siegel | GRAFIKDESINGSTUDIO NOI Jalscha Römer | VISUAL IDENTITY Patrik Ferrarelli | FILMUND PRODUCERIN Jessica Hefti | VERMITTLUNG UND BILDUNG Yaiza Cabrera und Béatrice Gerber | PROJEKTLEITUNG Nina Bruderer und Henriette-Friederike Herm |
